Wednesday, June 18, 2014

Radwege können tödlich sein.

Jedenfalls dann, wenn dumme Autofahrer dazukommen. Es ist erschreckend, wie viele Autofahrer die elementarsten Verkehrsregeln nicht kennen. Zum Beispiel, dass Fußgänger und Radfahrer, die geradeaus weiterlaufen/-fahren, Vorfahrt haben, wenn das Auto nach links oder rechts in eine Seitenstraße abbiegt. Stattdessen scheint im Bewusstsein vieler Autofahrer verankert zu sein, dass die Straße nur ihnen gehört – und wer sie betritt oder kreuzt, gefälligst zu warten habe.

Heutiges Beispiel aus der Praxis: Statt dem Radfahrer die Vorfahrt zu lassen, bremst der Autofahrer in seinem angerosteten 2er-Golf scharf, kurbelt wütend die Seitenscheibe herunter und motzt den Radfahrer an, dass auch Radfahrer gefälligst ab und zu mal auf den Verkehr achten sollten. Und fühlt sich wahrscheinlich moralisch noch überlegen, weil er nicht auf seine – in Wirklichkeit nicht existierende – Vorfahrt bestanden, sondern Rücksicht auf die dummen Radfahrer genommen hat.

Konsequenz: Am besten fahren Radfahrer immer auf der Straße, wenn keine Radwegnutzungspflicht besteht, und werden somit im Bewusstsein der Autofahrer zum gleichwertigen, regulären Straßenbenutzer. Mit ausreichend Sicherheitsabstand zu parkenden Autos. Auch dort, wo es gut ausgebaute Radwege gibt. Damit behindert man den motorisierten Verkehrsfluss gerade auf engeren und vielbefahrenen Straßen ohne Überholmöglichkeiten zwar gewaltig und bremst die Autos stellenweise auf Fahrradgeschwindigkeit herunter, aber derartige Abbiegeunfälle werden vermieden. Das haben die Autofahrer dann davon.

PS. Fußgänger sind zwar weiter im Hintertreffen, da sie weiterhin vom abbiegenden Verkehr über den Haufen gefahren werden – doch Fußgänger haben wenigstens die Chance, noch anzuhalten, während Radfahrer schon über den Kotflügel fliegen.

  1. Autofahrer mit Rad

    Saturday, November 29, 2014 - 20:17:56

    Als Radfahrer mal an die eigene Nase fassen.
    Was macht Ihr wenn ein Fußgänger auf dem Radweg läuft.
    Wird auch beschimpft und im Idealfall auch noch angefahren wenn er nicht einen halben Meter hinter sich die Klingel gehört hat und beiseite spring.

    Ihr seid auch nicht besser.

  2. dws

    Saturday, November 29, 2014 - 20:51:53

    Kann man nicht verallgemeinern, jeder Radfahrer reagiert anders. Einige fahren extra dicht auf und schimpfen wie beschrieben, andere klingeln schon von Weitem, andere weichen (verbotenerweise) auf den Gehweg aus und wiederum andere fahren dann einfach auf der Straße weiter.
    Dass ein Radfahrer bewusst einen Fußgänger touchiert, weil der die Klingel nicht gehört hat, habe ich bislang noch nicht erlebt. Im Gegensatz zu unabsichtlichen Begegnungen, weil der Radfahrer verkehrswidrig auf dem Gehweg fuhr oder ein Fußgänger unvermittelt auf den Radweg getreten ist.
    Hat jetzt aber nichts direkt mit Abbiegeverkehrsregeln zu tun.

  3. dws

    Saturday, November 29, 2014 - 20:57:14

    Ist übrigens eine Frage, die mich schon länger beschäftigt: Wie verhält man sich als Radfahrer im idealfall, wenn Fußgänger den gemeinsamen Gehweg oder den Radweg blockieren? Klingelt man, ruft man, bittet man um Platz, wartet man bzw. fährt man einfach langsam hinter dem Fußgänger weiter oder überholt man sehr knapp mit zu wenig Abstand? Es scheint keine echte Lösung zu geben, in allen genannten Fällen wird sich der Fußgänger erschrecken oder zumindest über die drängelnden Radfahrer ärgern. Klingelt der Radfahrer zu früh, wird er nicht bemerkt, klingelt er zu spät, erschreckt er die Vorauslaufenden. Motorgeräusche für Fahrräder wären vielleicht eine Idee …

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