{"id":1978,"date":"2018-06-20T12:16:47","date_gmt":"2018-06-20T10:16:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.knetfeder.de\/kkpwp\/?page_id=1978"},"modified":"2021-04-16T13:19:07","modified_gmt":"2021-04-16T11:19:07","slug":"sprachentwicklungsverzoegerung-sev","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/sprachentwicklungsverzoegerung-sev\/","title":{"rendered":"Sprachentwicklungsverz\u00f6gerung (SEV)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00bb<span style=\"color: #8080aa;\">Sprachst\u00f6rung, Definition:<br \/>\nDas Kind erwirbt oder nutzt das Regelsystem und den Wortbestand seiner Muttersprache nicht altersgem\u00e4\u00df; Auff\u00e4lligkeiten der Sprache oder des Sprechens.<\/span>\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Der folgende Text ist ein Auszug aus meinem Bericht zum Praktikum in einer logop\u00e4dischen Praxis w\u00e4hrend meines Studiums.)<\/p>\n<p><span style=\"color: #8080aa;\"><strong>Differenzierungen:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong> Sprachentwicklungsverz\u00f6gerung (SEV)<\/strong>: Die Sprachentwicklung verl\u00e4uft in allen vier Bereichen zeitlich verz\u00f6gert (Sprachverst\u00e4ndnis, Wortschatz, Artikulation, Grammatik), aber strukturell regelhaft; organische Ursachen wurden ausgeschlossen; Verz\u00f6gerungen sind in absehbarer Zeit aufholbar.<\/p>\n<p><strong>Sprachentwicklungsst\u00f6rung (SES)<\/strong>: Wie SEV, aber die Abweichung von der normalen Sprachentwicklung betr\u00e4gt l\u00e4nger als \u00bd Jahr, oder es besteht eine strukturelle Abweichung; bei organischen Ursachen lautet die Diagnose stets SES.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Sprachentwicklungsverz\u00f6gerung liegt vor, wenn die sprachliche Entwicklung des Kindes auf allen Ebenen verlangsamt verl\u00e4uft, d.h. es sind sowohl der <strong>Wortschatz<\/strong> und das <strong>Sprachverst\u00e4ndnis<\/strong>, als auch die <strong>Artikulation<\/strong> (phonetisch-phonologische Ebene) und die <strong>Grammatik<\/strong> (syntaktisch-morphologische Ebene) betroffen (vgl. WENDLANDT 1992, S. 41). Der St\u00f6rungsgrad der vier Auff\u00e4lligkeiten kann individuell sehr unterschiedlich ausgepr\u00e4gt sein; in den meisten F\u00e4llen sind die Sprachverst\u00e4ndnisleistungen jedoch besser entwickelt als die Sprachproduktionsleistungen (vgl. GRIMM 1998, S. 946). Die Diagnose der&nbsp; Sprachentwicklungsverz\u00f6gerung kann nur gestellt werden, wenn organische Ursachen (z.B. fr\u00fchkindliche Hirnsch\u00e4digung, Missbildung der Sprechorgane, Taubheit u.a.) f\u00fcr die Abweichungen im Spracherwerb zuvor ausgeschlossen werden konnten. In allen anderen F\u00e4llen ist von einer Sprachentwicklungsst\u00f6rung zu sprechen (SES), bei der die Sprachentwicklung nicht nur zeitlich, sondern auch strukturell und qualitativ anders verl\u00e4uft.<br \/>\nAls mitverursachende bzw. aufrechterhaltende <strong>Faktoren<\/strong> einer SEV kommen konstitutionelle (psychomotorische St\u00f6rungen, Beeintr\u00e4chtigungen der sensomotorischen Reifeentwicklung hinsichtlich der Wahrnehmungsdifferenzierungsf\u00e4higkeit u.a.) und psychosoziale (schlechte sprachliche Vorbilder, Deprivation, ung\u00fcnstige Familiensituationen, zweisprachige Umwelt, ung\u00fcnstige r\u00e4umliche und wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse u.a.) Aspekte in Betracht (vgl. GRUNWALD 1979, S. 16ff.).<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #8080aa;\"><strong>Die einzelnen Symptomkomponenten der SEV im Detail:<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #8080aa;\"><em><strong>Eingeschr\u00e4nkter Wortschatz\/Sprachverst\u00e4ndnisst\u00f6rung<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nDer <strong>Wortschatz<\/strong> des sprachentwicklungsverz\u00f6gerten Kindes kann im Vergleich zu anderen Kindern seiner Altersgruppe zu klein sein. Es kann viele Dinge nicht benennen, die es bereits kennt. Zur Kommunikation verwendet es deshalb h\u00e4ufig hinweisende Ausdr\u00fccke (\u201edas da\u201c) oder es benutzt f\u00fcr unterschiedliche Dinge denselben Begriff (z.B. \u201eHappa\u201c sowohl f\u00fcr \u201eL\u00f6ffel\u201c, als auch f\u00fcr \u201eKuchen\u201c und \u201eBrot\u201c) (vgl. WENDLANDT 1992, S. 40f.).<\/p>\n<p>Eine <strong>Sprachverst\u00e4ndnisst\u00f6rung<\/strong> zeigt sich darin, dass das Kind die Bedeutung von vielen W\u00f6rtern oder S\u00e4tzen nicht versteht, die sprachlich unauff\u00e4llige Kinder problemlos erfassen. Oft k\u00f6nnen sie sich jedoch im Alltag an der Mimik und Gestik des Gespr\u00e4chspartners orientieren und finden so heraus, was gemeint ist (Bsp.: Das Kind hat die T\u00fcr beim Hereinkommen offen gelassen. Die Mutter sagt: \u201eMach bitte die T\u00fcr zu!\u201c und deutet dabei auf die T\u00fcr oder schaut zu ihr hin.). Aufgrund dieser Tatsache bemerken Eltern die Sprachverst\u00e4ndnisschwierigkeiten ihres Kindes h\u00e4ufig nicht und geben bei Befragung durch die Logop\u00e4din an, ihr Kind habe ein altersgem\u00e4\u00dfes Sprachverst\u00e4ndnis.<br \/>\nIn der logop\u00e4dischen <span style=\"color: #8080aa;\"><strong>Therapie<\/strong><\/span> der SEV werden die Wortschatzerweiterung und die F\u00f6rderung des Sprachverst\u00e4ndnisses des Kindes in die \u00fcbrigen F\u00f6rderma\u00dfnahmen eingebettet, d.h. es findet kein \u201eVokabeltrainig\u201c statt. Zu beachten ist, dass eine Integration der aktiven und passiven&nbsp; Wortschatzerweiterung in den situativen Kontext vorgenommen werden muss, indem ein Gegenstand oder ein emotional ansprechendes Erlebnis mit dem Begriff verbunden und im handelnden Umgang verinnerlicht wird. Des weiteren sollten Begriffe in syntaktisch-morphologische Strukturen eingebettet werden, d.h. neue W\u00f6rter sollten in ihrer \u201enat\u00fcrlichen Umgebung\u201c, dem Satz, eingef\u00fchrt und benutzt werden. Insgesamt steht also bei der expressiven und rezeptiven Wortschatzerweiterung nicht die echoartige Imitation des Vor- und Nachsprechens im Vordergrund, sondern das gemeinsame Handeln von Kind und Therapeut im kommunikativen Kontext (vgl. GROHNFELDT 1990, S. 87ff.).<\/p>\n<p><span style=\"color: #8080aa;\"><em><strong>Dyslalie<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nAls Dyslalie wird eine St\u00f6rung der Artikulation bezeichnet, bei der einzelne Laute oder Lautverbindungen entweder vom Kind ganz weggelassen werden (Ellision: Sonne &gt; Onne), falsch gebildet werden (Distorsion: rot &gt; chot) oder durch andere ersetzt werden (Substitution: Gabel &gt; Dabel).<br \/>\nDie Dyslalie kann im Rahmen einer SEV auftreten, sie kann aber auch als isoliertes Symptom vorkommen (h\u00e4ufig z.B. in Form des \u201eLispelns\u201c, dem Sigmatismus), wobei Lautbildungsfehler bis zum Ende des vierten Lebensjahres nicht als pathologisch angesehen werden. Der Therapiebeginn sollte daher zwischen dem vierten und 6. Lebensjahr des Kindes liegen, denn danach erlischt die spontane R\u00fcckbildungstendenz der St\u00f6rung fast vollst\u00e4ndig.<br \/>\nQuantitativ kann die Dyslalie eingeteilt werden in die<br \/>\n<strong>partielle Dyslalie:<\/strong> einzelne bis wenige Laute (ca. ein bis 3) sind betroffen; die Sprache insgesamt ist gut verst\u00e4ndlich,<br \/>\n<strong>multiple Dyslalie:<\/strong> eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Lauten (ca. vier bis 6) ist betroffen; die Verst\u00e4ndlichkeit der Sprache ist st\u00e4rker eingeschr\u00e4nkt,<br \/>\n<strong>universelle Dyslalie:<\/strong> nur wenige Laute werden korrekt artikuliert, wodurch die Sprache schwer verst\u00e4ndlich ist.<br \/>\nIn qualitativer Hinsicht wird die <strong>Mogilalie<\/strong> (der Laut fehlt, z.B. Asigmatismus: ein Zischlaut wird nicht gebildet) von der <strong>Paralalie<\/strong> (der Laut wird durch einen anderen ersetzt) unterschieden. Bei der Paralalie werden gem\u00e4\u00df der Jakobsonschen Regel entwicklungsphonetisch sp\u00e4tere Laute (z.B. \/k\/, \/g\/, \/f\/, \/w\/, \/ch\/, \/s\/, \/sch\/, \/r\/) durch fr\u00fchere ersetzt (z.B. \/p\/, \/b\/, \/t\/, \/m\/, \/n\/, \/l\/, \/d\/). Parakappazismus bedeutet demnach, dass das Kind anstelle des \/k\/ einen anderen Laut artikuliert.<br \/>\nAm h\u00e4ufigsten sind die Zischlaute von der Sprachst\u00f6rung betroffen (\/s\/, \/sch\/, \/ch1\/) sowie die Laute der dritten Artikulationszone (\/g\/, \/k\/, \/j\/, \/ch2\/, Gaumen-\/r\/); am seltensten sind die Laute der ersten Artikulationszone (\/b\/, \/w\/, \/p\/, \/f\/, \/d\/, \/t\/, \/n\/) gest\u00f6rt (Einteilungen und H\u00e4ufigkeiten nach WIRTH 1983, S. 223ff.).<br \/>\nDer Lautbildungsst\u00f6rung liegt h\u00e4ufig eine ungen\u00fcgende Wahrnehmungs- und Differenzierungsleistung zugrunde. Handelt es sich um eine kin\u00e4sthetische Differenzierungsschw\u00e4che, so ist die Feinmotorik von Lippen und Zunge eingeschr\u00e4nkt und das taktile Empfinden im Mundraum (z.B. hinsichtlich der Position der Zunge) ist herabgesetzt ( <strong>motorische Dyslalie<\/strong>). Das Kind kann also seinen Aussprachefehler aus motorischen Gr\u00fcnden nicht selbst\u00e4ndig korrigieren. Eine<strong> sensorische Dyslalie<\/strong> liegt vor, wenn das Kind eine mangelhafte auditive Wahrnehmung, Verarbeitung und Merkf\u00e4higkeit von sprachlichen Lauten aufweist. Das Kind kann in diesem Fall seinen eigenen Artikulationsfehler nicht wahrnehmen, obwohl seine H\u00f6rf\u00e4higkeit normal ausgepr\u00e4gt ist. Beide Formen der Dyslalie k\u00f6nnen kombiniert auftreten und es ist nicht immer eindeutig feststellbar, welchem Dyslalietyp das Kind zuzuordnen ist (vgl. BECKER &amp; BECKER 1993, S. 261f.). Daher wird in der <span style=\"color: #8080aa;\"><strong>Therapie<\/strong><\/span> viel Wert gelegt auf eine allgemeine Sensibilisierung der auditiven und kin\u00e4sthetischen<\/p>\n<div id=\"attachment_1984\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1984\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"img-blauerrahmen wp-image-1984 size-full\" src=\"https:\/\/www.knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare.jpg 300w, https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare-267x200.jpg 267w, https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare-31x23.jpg 31w, https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare-38x29.jpg 38w, https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare-287x215.jpg 287w, https:\/\/knetfeder.de\/kkpwp\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/paare-148x111.jpg 148w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1984\" class=\"wp-caption-text\">Spielerisch Minimalpaare und Reimw\u00f6rter kennenlernen: Uhr &#8211; Ohr; Topf &#8211; Knopf (Spiel: Die freche Sprech-Hexe; Ravensburger)<\/p><\/div>\n<p>Perzeption. Zum einen wird die Aufmerksamkeit des Kindes auf Geh\u00f6rtes gerichtet, die Unterscheidungsf\u00e4higkeit von Ger\u00e4uschen und Sprachlauten geschult und die Merkf\u00e4higkeit trainiert. Dazu stehen verschiedenste \u00dcbungen und Materialien zur Verf\u00fcgung. Zum anderen ist die F\u00f6rderung der Bewegung und Wahrnehmung, insbesondere der K\u00f6rperteile, die f\u00fcr das Sprechen ben\u00f6tigt werden, Bestandteil einer Sprachtherapie. Dies k\u00f6nnen unterschiedliche spielerische Bewegungs\u00fcbungen im Gesichts-Mundbereich sowie allgemeine Schmeck-, Riech- und Tastspiele sein. Sie verbessern die Voraussetzungen f\u00fcr die korrekte Lautbildung, indem das Kind ein sichereres Gesp\u00fcr beispielsweise f\u00fcr die Zungenlage entwickelt und damit zielgerichtete Bewegungen ausf\u00fchren lernt.<br \/>\nZudem werden nach verschiedenen Kriterien die von der Dyslalie betroffenen Sprachlaute einzeln ausgew\u00e4hlt, die f\u00fcr eine Weile im Mittelpunkt der Sprachtherapie stehen werden. Je nach Schwerpunkt der St\u00f6rung geht es dann um die gezielte Anbahnung dieser Laute, ein Training auf Laut-, Wort- und Satzebene, bis schlie\u00dflich die Anwendung in der Spontansprache des Kindes ge\u00fcbt wird. Spielerisch wird dem Kind die bedeutungsunterscheidende Funktion der Laute vermittelt. Dies erfolgt \u00fcber sogenannte Minimalpaare, d.h. Wortpaare wie z.B. Tasse \u2013 Kasse, die sich nur in einem Laut unterscheiden, dadurch aber bereits eine v\u00f6llig andere Bedeutung erhalten. Auch die Erweiterung des Wortschatzes flie\u00dft in jeden sprachlichen Austausch mit dem Kind ein. Zu beachten ist, dass die konkrete Besch\u00e4ftigung mit dem Sprachlaut f\u00fcr ein Kind eine abstrakte und langweilige Angelegenheit ist. Daher muss die Arbeit am einzelnen Laut stets in praktische Handlungen und Spiele eingebunden werden, die das Kind motivieren und ihm Freude bereiten (vgl. z.B. BECKER &amp; BECKER 1993, S. 259ff.).<\/p>\n<p><span style=\"color: #8080aa;\"><em><strong>Dysgrammatismus<\/strong><\/em><\/span><br \/>\nAls Dysgrammatismus wird eine zeitliche (Stehenbleiben auf einem fr\u00fcheren Entwicklungsstand) oder qualitative Abweichung (es treten grammatische Strukturen auf, die in der normalen Entwicklung des grammatischen Regelsystems nicht vorkommen) der grammatischen Satz- und Wortbildung bezeichnet. Die Sprache des dysgrammatischen Kindes ist gekennzeichnet durch&nbsp;Auslassungen von W\u00f6rtern oder ganzen Satzteilen, die nicht mehr seinem Alter entsprechen, z.B. \u201eTimo Hause\u201c, \u201eMama Ball\u201c,&nbsp;falsche Stellung der W\u00f6rter im Satz, z.B. \u201eHeute nach Hause gehen ich.\u201c,&nbsp;fehlende oder fehlerhafte Form von Worten, z.B. \u201eder M\u00e4dchen\u201c, \u201eich gehen, du machen\u201c, \u201eich bin gegangt\u201c (vgl. WENDLANDT 1992, S. 41).<br \/>\nDysgrammatische Beeintr\u00e4chtigungen lassen sich in <strong>drei Schweregrade<\/strong> einteilen:<br \/>\n<strong>Leichter Dysgrammatismus:<\/strong> Das Kind kann kurze S\u00e4tze richtig nachsprechen. Seine Sprache ist noch gut verst\u00e4ndlich, wirkt aber kleinkindhaft. H\u00e4ufig werden Artikel vertauscht, die Deklination und die Konjugation k\u00f6nnen fehlerhaft sein. L\u00e4ngere S\u00e4tze mit Nebens\u00e4tzen werden gar nicht oder regelwidrig gebildet (Bsp.: \u201eDie Ball ist rot.\u201c; \u201eIch essen eine Birne.\u201c; \u201eWenn ich hause kommen, ich Puppe spielen.\u201c). Im Rahmen einer SEV kommt haupts\u00e4chlich diese Form des Dysgrammatismus vor.<br \/>\n<strong>Mittelschwerer Dysgrammatismus:<\/strong> Auch das Nachsprechen von S\u00e4tzen ist dem betroffenen Kind nur begrenzt m\u00f6glich. Gebildete S\u00e4tze \u00fcberschreiten nur selten eine L\u00e4nge von f\u00fcnf W\u00f6rtern. Die Sprache des Kindes ist f\u00fcr Fremde schwer verst\u00e4ndlich, da kaum grammatische Regeln beachtet werden k\u00f6nnen. Zu der falschen Satzbildung kommt die fehlerhafte Bildung von W\u00f6rtern hinzu (Bsp.: \u201eGeter Bursag haben. Viele Schenke haben.\u201c &gt;&gt; \u201eGestern habe ich Geburtstag gehabt. Ich habe viele Geschenke bekommen.\u201d)<br \/>\n<strong>Schwerer Dysgrammatismus:<\/strong> Das Nachsprechen von S\u00e4tzen ist dem betroffenen Kind gar nicht m\u00f6glich. Es spricht ausschlie\u00dflich in Ein- oder Zwei-Wort-\u00c4u\u00dferungen. Auch einzelne Worte sind sehr verst\u00fcmmelt, so dass die Sprache f\u00fcr Fremde sehr schwer verst\u00e4ndlich ist (Bsp.: \u201eBorta e. Feu auch.\u201c &gt;&gt; \u201eIch habe Geburtstag gehabt. Mein Freund war auch da.\u201d) (vgl. GRUNWALD 1979, S. 32).<br \/>\nWie in der Dyslalietherapie hat auch in der <span style=\"color: #8080aa;\"><strong>Therapie<\/strong><\/span> des Dysgrammatismus die F\u00f6rderung der Wahrnehmung einen hohen Stellenwert, denn der Ansto\u00df zur Weiterentwicklung der grammatischen Strukturen entsteht \u00fcber das Feststellen einer Nicht\u00fcbereinstimmung der eigenen Sprachproduktion mit jener der Umwelt. GROHNFELDT meint dazu, dass \u201e[\u2026] sich das therapeutische Vorgehen zum einen auf die impressiven Basisfunktionen der Sprache richten sollte und erst dann auf die Sprache selbst. Eine ausschlie\u00dfliche Arbeit am sprachpathologischen Symptom ist besonders in diesem Fall [dem Dysgrammatismus] wenig erfolgversprechend.\u201c (GROHNFELDT 1990, S. 94; Einf\u00fcgung: M.L.)<br \/>\nIn der Therapie sollen au\u00dferdem sprachanregende Situationen geschaffen werden, die bestimmte \u00c4u\u00dferungen geradezu provozieren, z.B. Rollen- oder Handpuppenspiele, Dialoge am Telefon oder ein Reporterspiel. Spielerische Sprachverst\u00e4ndnis- (z.B. in Form von Aufforderungen: \u201eLeg den L\u00f6ffel auf den Teller.\u201c) und Sprachged\u00e4chtnis\u00fcbungen sowie rhythmisch-melodische \u00dcbungen sollen das Kind f\u00fcr sprachliche Strukturen sensibilisieren. GROHNFELDT veranschaulicht in seinem Buch viele M\u00f6glichkeiten der therapeutischen Arbeit mit Bildkarten u.\u00e4. (vgl. GROHNFELDT 1990, S. 96ff.).<\/p>\n<h5><span style=\"color: #8080aa;\"><strong>Literaturnachweis:<\/strong><\/span><br \/>\nBECKER, K. &amp; BECKER, R. (Hrsg.) (1993): Rehabilitative Spracherziehung. \u2013 Berlin.<br \/>\nGRIMM, H. (1998): Spezifische St\u00f6rung der Sprachentwicklung, in: Oerter, Rolf &amp; Montada, Leo: Entwicklungspsychologie. \u2013 Weinheim.<br \/>\nGROHNFELDT, M. (1990): Grundlagen der Therapie bei sprachentwicklungsgest\u00f6rten Kindern. \u2013 Berlin.<br \/>\nGRUNWALD, A. (1979): Sprachtherapie. Praktische Anleitungen zur Diagnose und Therapie sprachgest\u00f6rter und entwicklungsbehinderter Kinder. \u2013 Hamburg.<br \/>\nWENDLANDT, W. (1992): Sprachst\u00f6rungen im Kindesalter. Materialien zur Fr\u00fcherkennung und Beratung. Stuttgart.<br \/>\nWIRTH, G. (1983): Sprachst\u00f6rungen, Sprechst\u00f6rungen, kindliche H\u00f6rst\u00f6rungen. Lehrbuch f\u00fcr \u00c4rzte, Logop\u00e4den und Sprachheilp\u00e4dagogen. \u2013 K\u00f6ln.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbSprachst\u00f6rung, Definition: Das Kind erwirbt oder nutzt das Regelsystem und den Wortbestand seiner Muttersprache nicht altersgem\u00e4\u00df; Auff\u00e4lligkeiten der Sprache oder des Sprechens.\u00ab &nbsp; (Der folgende Text ist ein Auszug aus meinem Bericht zum Praktikum in einer logop\u00e4dischen Praxis w\u00e4hrend meines Studiums.) 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